SELFSCRUM

Ein Lern-, Organisations- und Betriebssystem für alternative Schulen

Über uns

Was ist SELFSCRUM?

Ganz einfach - SELFSCRUM ist ein Open Source-Betriebssystem für offene demokratische Schulen.

Was heißt das? Ich glaube, wir brauchen eine vereinte Anstrengung aller Beteiligten, um kindliches und jugendliches Lernen auf ein neues Niveau zu heben, das der heutigen Zeit und den zukünftigen großen Herausforderungen gerecht wird. Ich bin der festen Überzeugung, dass Schule und Lernen komplett neu gedacht werden muss.

Die gute Nachricht ist, dass es bereits viele gute Ansätze gibt. Sie kommen aus verschiedensten Richtungen. Sei es aus klassichen Schulen, wo viele motivierte Menschen mit guten Ideen versuchen, ein erstarrtes System am Leben zu halten, sei es aus der freien Wirtschaft, wo Wissen und Lernen heute überlebensnotwendige Eigenschaften sind und auch aus der weltweiten Open Source Gemeinschaft, in der sehr viel ohne kommerzielles Interesse geteilt und entwickelt wird. Und nicht zuletzt die gesellschaftlichen Kräfte der aktuellen Nachhaltigkeitsbewegungen, die gelernt haben, sich auf moderne Art und Weise zu organiseren, um ihren Anliegen eine Stimme zu geben.

Wie jedes komplexe System entsteht so eine Struktur nicht über Nacht und nicht im stillen Kämmerlein eines Tüftlers. Daher diese Community als ein Startpunkt für eine hoffentlich lebendige und vielfältige Entwicklung mit enem stabilen Kern.

Wie alles begann

SELFSCRUM hat trotz seines jungen Alters bereits eine bewegte Geschichte hinter sich. Vielfältige Handlungsstränge haben sich hier in einer kurzen Zeitspanne überlagert und ein Momentum erzeugt, dass zum einen eher noch suchend-zufällig ist, zum anderen aber die Kumulation unserer Konzeptarbeit der letzten Jahre darstellt. Das alles gleichzeitig offen und noch sehr in Bewegung - ich vermute, es wird so bleiben. Daher entstand der Wunsch nach einer Gemeinschaft, die diese Bewegung elastisch aufnimmt und -durch die eigenen Kräfte verändert- weiter in Bewegung hält.

Hackathon

Alles begann mit Überlegungen zum EUvsVirus Hackathon. Ich bin schon lange auf der Suche nach einer Software, die unsere freie Schule beim Managen der Lernprozesse unterstützt - und das nicht nur aus Schulsicht, sondern auch für die Schüler*innen selber. In der aktuellen Corona-Situation kam noch die neue dimension „Remote-Learning“ dazu. Ich kam auf die Idee, die Software genauso frei zu gestalten wie die Schule und skizzierte kurz vor dem Hackathon. mit integrierten programmierten Eweiterungen digitale Whiteboard-Apps so aufzuwerten, dass die freie Bearbeitungsform erhalten bleibt und trotzdem die notwendigen Lernaktivitäten unterstützt werden.

Das Hackathon-Wochenende war ein guter Start, die Überlegungen zu diskutieren und ein paar Anwendungsfälle durchzuspielen. Mit dem internationalen Team hatten wir zweieinhalb intensive Tage, die nach einer durchgearbeiteten Nacht zum Montag in einem fertigen Video, einer Projektpräsentation und der neu erstellten selfscrum.org Website endeten.

Da wir keine Software-Entwickler im Team hatten, konnten wir leider auch keinen Prototypen bauen, wie eigentlich geplant. Nachdem wir es trotzdem bis in die Finalistenrunde des Wettbewerbs schafften, konnten wir leider keinen Gewinnerplatz einnehmen.

Weiteres Feedback

Beim Barcamp des deutschen EUDEC-Treffens eine Woche später und bei einem Online-Meetup des Vereins Raum für natürliches Lernen e.V. konnte ich die Idee erneut vorstellen und aus dem Feedback weitere Anforderungen sammeln. Danach wurde es zunächst erst einmal wieder etwas ruhiger um SELFSCRUM als Software.

Beim Diskutieren hatten wir bemerkt, dass wir mehr darüber nachdenken müssen, was denn so eine Software ingesamt leisten soll.

Die „richtige“ Vision finden

Das führte unmittelbar zur nächsten Frage: Welche Prozesse sind in der Schule als Lernraum überhaupt relevant und welche nicht? Das ist bei freien und offenen Schulen ja immer wieder ein Hin und Her zwischen dem Wunsch nach einer individuellen, angstfreien Gestaltung der Lernprozesse für das einzelne Kind und den notwendigen Nachweisprozessen, die Schulen in Deutschland aufgrund der gesetzlichen Rahmenbedingungen haben und die auch unser „freies“ Denken immer noch viel stärker prägen als wir es wollen.

Was ist also -ganz pragmatisch aus dem Schulbetrieb heraus betrachtet- die „richtige Sicht“ auf Lernprozesse und ihre Administration?

Wir haben beim EU-Hackathon und auch beim deutschen EUDEC-Treffen ein Wochenende später festgestellt, dass die Effizienz der „Prozesse“ oft viel zu stark in den Vordergrund rückt und der eigentliche Ursprung -das Lernen und die soziale Interaktion- dabei verloren geht.

Das möchte ich gerne system(at)isch ändern. Was mir vorschwebt, ist ein methodischer Rahmen, der durch die Schüler*innen angenommen werden kann (wenn sie ihn denn kennengelernt haben) und der es trotz aller Freiheit und Flexibilität schafft, nicht nur Nachweise zu bringen, sondern vor allem den Lernprozess und die Lernfreude so zu stärken, dass wir den Schülern selber in Verantwortung lassen können, sich die Inhalte zu erschließen, die sie haben wollen.

Methodischer Hintergrund

Eine Weile habe ich mich intensiv mit Learnlife auseinandergesetzt, einem Startup aus Barcelona, dessen Konzept ich sehr beeindruckend finde. Gerade jetzt versucht das Unternehmen, den einzelnen Lern-Hub in Barcelona zu verlassen und das Konzept weit in die Welt zu bringen. Ich habe dazu in einem Meetup neulich ein Webinar gehalten. Eine Sammlung von „Learning Paradigms“ soll demnach den methodischen Rahmen für den Aufbau und den Betrieb individuellen Lernens sicherstellen. Was hier eventuell problematisch werden könnte, ist der definitionsgemäß notwendige Zwang zum Profit und die zumindest nicht klar dargestellte demokratische Fundierung der einzelnen Lernorte.

Auch ist mir durch meine Erfahrungen aus der IT Welt nur zu gut bekannt, was mit anfänglich tollen Ideen passiert, wenn sie hinter proprietären Bezahlschranken verschwinden und langsam an Relevanz verlieren. Open Source ist aus meiner Sicht das einzige Produktionsmodell, dass es heute schafft, relevante Themen schnell zu entwickeln und am Leben zu halten. daher ist für mich SELFSCRUM vor allem eine Open Source Initiative.

Aus diesem Grund habe ich mich sehr gefreut, Simon Dückerts Cogneon zu finden. Ähnlich wie bei SELFSCRUM gibt es dort um ein Konzept herum eine Community, eine Wissensbasis und ein Open Source Modell für die Generierung und Verteilung von Wissen. Beim dortigen Open Source Framework lernOS steht das selbstgemanagte Lernen im Vordergrund, um individuell oder in Teams sich bestimmten Themen zu stellen und diese in vierteljählichen Zyklen gut erarbeiten zu können.

Bei Simon steht das betriebliche Wissensmanagement im Mittelpunkt. Das hat in vielen Facetten in den letzten 25 Jahren unglaubliche Mengen an Methoden, Tools und Technologien hervorgebracht , die -auf Kinder und Jugendliche angepasst- uns hervorragende Dienste bei der Gestaltung von Lernen in der Schule leisten können. Der aufmerksame Leser wird daher viele Impulse der dortigen Gestaltung in ähnlicher Form auch hier wiederfinden, wofür ich mich hier auch noch einmal herzlich bedanken möchte.

Weitere wichtige Impulsgeber sind Harold Jarche und sein Personal Knowledge Mastery Konzept und Dion Hinchcliffe mit seinen Überlegungen zur digitalen Gestaltung von kollaborativen Organisationen.

Alles keine im Kern „pädagogischen“ Konzepte und doch zutiefst verknüpft mit dem Begriff „Lernen“ in der heutigen Zeit.

Projekt-Framework

Eine pädagogische Fundierung, die für mich sehr gut in die Vorstellung eines freien Lern-Managements passt, ist das Project-Based Learning (PBL, aus wissenschaftlichen Forschungen in den USA Ende letzten Jahrhunderts entstanden. Ich habe erst später herausgefunden, dass PBL in Deutschland eher Problembasiertes Lernen bedeutet - wieso ist in Deutschland eigentlich immer alles ein „Problem“?).

„Projekte machen wir auch“, denkt man sich vielleicht bei diesem Begriff. Projektbasiertes Lernen ist jedoch ein ganz anderes Konzept als die schablonenartig hergestellten Projektwochen, die wir heute in vielen Schulen antreffen.

Ich habe diesen Ansatz letztes Jahr in einem Austausch mit Lisa Rosa aus Hamburg kennengelernt und schätze diese klare Darstellung sehr.

Eine weitere Inspiration ist mir hier Loni Bergqvist, die PBL aus den USA nach Dänemark mitgebracht hat und dort mit ImagineIf Consulting und Coaching für Schulen anbietet und nebenher großartige Artikel zum Thema auf ihrer Website veröffentlicht.

So kurz ist die Geschichte von SELFSCRUM - und doch wurden hier so viele Themen plötzlich emergent, dass hier ein ganzer Berg konzeptioneller Arbeit entstanden ist. In einem nächsten Artikel werde ich die aktuellen Arbeitsfelder skizzieren, so wie ich sie sehe. Wie immer freue mich über jedes Feedback!